Anwesend heißt nicht angewendet

Dienstagnachmittag
Schichtende der Frühschicht. Besprechungsraum, kuschelige 28 Grad. Ein paar Leute haben einen Sitzplatz, die meisten stehen. Fast alle hätten längst Feierabend.
Vorn stehen der QS-Leiter und die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Daneben zwei Vorarbeiter, die gleich übersetzen werden. Die jährliche Pflichtschulung beginnt. Infektionsschutzgesetz, Lebensmittelsicherheitskultur, Hygiene, Food Fraud, Food Defense, HACCP, dazu ein paar Gütesiegel. 90 Minuten, das volle Programm.
Kaum jemand bleibt wach. Das liegt vielleicht an der Präsentation, in der Verbotszeichen und Negativbeispiele abwechselnd ins Bild animiert werden. Die Vorarbeiter sind schneller. Sie brauchen nur die Hälfte der Zeit zum Übersetzen. Welche Inhalte dabei wegfallen, wird niemand je erfahren. Zwei Wochen später kommt die Kundenreklamation. Mitarbeiter haben Fehler gemacht. Es wurden doch alle geschult, oder?
Alle. Bis auf den einen, der bis gestern krank war und von der Spezifikationsänderung nichts wusste. Alle haben unterschrieben. Die Akte ist vollständig. Und an der Linie ist es trotzdem schiefgegangen.
Eine Unterschrift ändert nicht das Verhalten
Thorsten Groß kennt diese Szene aus 35 Jahren Lebensmittelbranche. Der Mitgründer von doinstruct hat selbst beide Seiten erlebt: vom Azubi zum Geschäftsführer, vom Geschulten zum Schulenden. Diese Szene ist kein Horrorszenario und kein besonders schlecht geführter Betrieb.
Es geht nicht darum, Unterschriften für das nächste Audit zu sammeln. Es geht darum, Mitarbeiter in der Produktion zu haben, die wissen, was sie tun müssen, um sichere und spezifikationskonforme Lebensmittel auszuliefern. Das eine ist dokumentiert. Das andere passiert an der Linie. Dazwischen liegt eine Lücke, die kein Schulungsnachweis schließt.
Was wird am nächsten Tag umgesetzt?
Schätzt einmal: Ihr schult am Montag. Wie viel davon ist am Dienstag noch im Kopf? Ungefähr ein Drittel. Hermann Ebbinghaus hat das vor gut 140 Jahren in Selbstversuchen ermittelt, und die aktuelle Forschung bestätigt die Größenordnung. Das Unangenehme daran: Welches Drittel bleibt, könnt ihr nicht steuern.
Das liegt nicht daran, dass Leute keinen guten Willen hätten. Es liegt daran, wie das Gehirn arbeitet.
Zwei Möglichkeiten einen Sachverhalt zu ermitteln
Ein Beispiel, das den Unterschied sofort sichtbar macht. Beide Texte vermitteln dieselbe Regel: Handhygiene.
Version A:
„Gemäß Verordnung (EG) Nr. 852/2004, Anhang II, Kapitel VIII ist von allen im Lebensmittelbereich tätigen Personen ein hohes Maß an persönlicher Sauberkeit einzuhalten. Insbesondere ist eine regelmäßige Händedesinfektion durchzuführen, da Mikroorganismen auf der Hautoberfläche eine exponentielle Vermehrung aufweisen und somit ein potenzielles Kontaminationsrisiko für das Lebensmittel darstellen."
Version B:
„Du findest, Handhygiene wird überbewertet? Dann bedenke, dass aus einer einzigen Bakterie auf deiner Hand innerhalb von sieben Stunden 2,1 Millionen Bakterien werden. Deine Hand wird also zu einem Spielplatz für Bakterien und Viren. Die können schwere Krankheiten verursachen. Für die Gesundheit der Verbraucher trägst also auch du Mitverantwortung."
Version A steht heute noch in Schulungsunterlagen. Version B ist die, die eine Woche später noch jemand wiedergeben kann. Der Unterschied kostet nichts. Kein Budget, keine Designabteilung. Nur eine andere Perspektive: Version A beschreibt eine Vorschrift. Version B erklärt einem Menschen, warum sein Verhalten zählt.
Entdecke noch mehr Möglichkeiten in unserem Webinar
Das oben ist die Diagnose. Im Webinar zeigen Cosima Brock, Head of Content, und Thorsten Groß, was ihr konkret ändern könnt:
- Vier Schritte — verstehen, vermitteln, verankern, vertiefen. Eine Checkliste, die ihr ab morgen anwenden könnt, ohne etwas einzukaufen.
- Die Unterweisung als Heldenreise. Wie aus Paragraf 42 eine Geschichte wird, in der euer Mitarbeiter die letzte Verteidigungslinie zwischen einer unsichtbaren Gefahr und Tausenden von Menschen ist.
- Warum fünf Minuten mehr bringen als 90. Und warum das Quiz zum Lernen gehört, nicht zur Prüfung.
- Die Zahlen von Frischpack. 60 % weniger Arbeitsunfälle und 50 % weniger Hygieneverstöße innerhalb eines Jahres, nachdem die Schulungen auf Video in der Muttersprache der Mitarbeiter umgestellt wurden.
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